Band- & CD-Kritik

JazzTimes 02/08/11

Das österreichische Duo The Female Jazz Art reißt eine Mauer nieder, welche die Jazzszene seit Jahrzehnten heimsucht, nämlich die "Boys-Club"-Atmosphäre, die Frauen daran hinderte, prominente Rollen in Gruppen einzunehmen. Frauen werden oft verbannt, lediglich zu singen und, sollten sie ein Instrument wie ein Saxophon oder ein Klavier spielen, tun sie dies in der Regel auf eigene Faust.
So ist die kreative Vereinigung von Saxophonistin Swantje Lampert und Pianistin Barbara Rektenwald nicht selbstverständlich.
Aber die Qualität eines Albums sollte nicht auf Geschlechterpolitik basieren. Diese Frage muss noch gestellt werden: Wie ist es? Sehr schön eigentlich.
Die Chemie zwischen Lampert und Rektenwald ist hypnotisierend. Sie ergänzen einander, wie erfahrene Spieler, die bereits ihr ganzes Leben miteinander jammen. Es herrscht ein unbestreitbares Komfortniveau zwischen den beiden, welches beiden ermöglicht, ihr Ding durchzuziehen, ohne den anderen zu überschatten. In "Remember Juli" werden die nostalgischen Gefühle von Rektenwald's Klavier durch die reiche Lebensfreude von Lampert's Saxophon vertieft. Auf "Morning Dew", liefert Rektenwald mit ihrem Klavier Pools der Selbstbeobachtung, die weiter von den melancholischen Anspannungen von Lamperts Saxophon bereichert werden. Es ist fast eine symphonische Qualität von Ebbe und Flut in ihrem Spiel.
Der Titel des Albums beschreibt den Inhalt punktgenau. Es ist sicherlich eine Sammlung von "Moods", von der kindlichen Fröhlichkeit der "Dancing in the Snow" (lauschen sie wie Rektenwald's lebhafte Töne von den Lautsprechern aufspringen) zu den traurigen Tönen von "Farewell". Eine der größten Freuden des Albums ist "Ungarischer Tanz", in dem Lampert und Rektenwald die abrupten Tempowechsel so genau und eindrucksvoll ausführen, wie die Zuhörer überrascht sind, sie zu hören.
Hoffentlich wird The Female Jazz Art ein paar Ideen anregen, wie kreative Musikerinnen in einer streng gehüteten männlichen Jazz-Welt überleben können.

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